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Ester Kapitel 5
Ester ist Jüdin und die Frau des
babylonischen Königs Ahasveros. Dessen Kanzler Haman möchte mit Hilfe
des Königs eine Judenverfolgung organisieren. Denn Esters Onkel Mordechai
wollte sich nur vor Gott, nicht aber vor Haman verneigen, was den
strebsamen und stolzen Haman kränkte, der nun das gesamte Volk
Mordechais, des Juden, vernichten möchte. Was Haman nicht weiß: Ester
ist ebenfalls Jüdin und die Nichte Mordechais:
1 Am dritten Tag legte Ester
ihre königlichen Gewänder an und ging in den inneren Palasthof, der vor
dem Haus des Königs lag. Der König saß im Königshaus auf seinem
Königsthron, dem Eingang gegenüber. [Am dritten Tag legte Ester, als sie
ihr Gebet beendet hatte, ihr Bußgewand ab und zog ihre Prunkgewänder an.
(a) Nachdem sie ihre strahlende Schönheit wieder gewonnen hatte, betete
sie zu dem allsehenden Gott und Retter. Dann nahm sie zwei Dienerinnen
mit; auf die eine stützte sie sich nach der Art der vornehmen Frauen, die
andere ging hinter ihr und trug ihr die Schleppe. (b) Sie selbst strahlte
in blühender Schönheit, ihr Gesicht war bezaubernd und heiter, ihr Herz
aber war beklommen vor Furcht. (c) Sie durchschritt alle Türen und blieb
vor dem König stehen. Er saß auf seinem königlichen Thron, angetan mit
seinen Prunkgewändern voll Gold und Edelsteinen. Der Anblick war
furchterregend. (d) Als er aufblickte und die Königin in wildem Zorn mit
feuerrotem Gesicht ansah, wurde sie bleich, fiel in Ohnmacht und sank auf
die Schulter der Dienerin, die vorausging. (e) Da erweichte Gott das Herz
des Königs. Besorgt sprang er vom Thron auf und nahm sie in seine Arme,
bis sie wieder zu sich kam. Dann redete er ihr mit freundlichen Worten zu
und sagte: (f) Was hast du, Ester? Ich bin dein Bruder, sei unbesorgt! Du
sollst nicht sterben; denn unser Befehl gilt nur für die anderen. Komm
her!
2 Als der König die Königin Ester im Hof stehen sah, fand sie Gnade vor
seinen Augen. Der König streckte ihr das goldene Zepter entgegen, das er
in der Hand hielt. Ester trat näher und berührte die Spitze des Zepters.
Dann nahm er das goldene Zepter, legte es ihr auf den Nacken, küßte sie
und sagte: Nun rede mit mir! (a) Da sagte sie zu ihm: Ich sah dich, Herr,
wie einen Engel Gottes, und mein Herz erschrak aus Furcht vor deinem
majestätischen Anblick; denn du bist herrlich, Herr, und dein Gesicht ist
voll Wohlwollen. (b) Während sie mit ihm redete, fiel sie wieder in
Ohnmacht. Der König war sehr bestürzt, und sein ganzes Gefolge suchte ihr
Mut zu machen.]
3 Der König sagte zu ihr: Was willst du, Königin Ester? Was hast du für
einen Wunsch? Auch wenn es die Hälfte meines Reiches wäre, du sollst es
erhalten.
4 Ester antwortete: Wenn es dem König gefällt, möge er heute mit Haman zu
dem Festmahl kommen, das ich für ihn vorbereitet habe.
5 Der König sagte: Holt in aller Eile Haman her, damit wir Esters Wunsch
erfüllen können. Und der König kam mit Haman zu dem Festmahl, das Ester
vorbereitet hatte.
6 Als sie beim Wein saßen, sagte der König zu Ester: Was hast du für eine
Bitte? Sie wird dir erfüllt. Was hast du für einen Wunsch? Selbst wenn es
die Hälfte des Reiches wäre, man wird es dir geben.
7 Ester antwortete: Das ist meine Bitte und mein Wunsch:
8 Wenn ich beim König Gnade gefunden habe und es ihm gefällt, mir zu
geben, worum ich bitte, und meinen Wunsch zu erfüllen, dann möge der König
auch morgen mit Haman zu dem Festmahl kommen, das ich für sie veranstalte.
Morgen will ich dann die Frage des Königs beantworten.
9 Haman ging an diesem Tag fröhlich und gut gelaunt nach Hause. Als er
aber am Tor des Königspalastes Mordechai sah, der sich nicht erhob und
keinerlei Ehrfurcht vor ihm zeigte, geriet er in Zorn über Mordechai.
10 Doch er ließ sich nichts anmerken. Er ging nach Hause und rief seine
Freunde und seine Frau Seresch zu sich.
11 Und er erzählte ihnen von seinem gewaltigen Reichtum und von seinen
vielen Söhnen, von all der Macht, die ihm der König verliehen habe, und
wie er ihn hoch über alle anderen Fürsten und königlichen Diener gestellt
habe.
12 Haman sagte: Auch Königin Ester hat an dem Festmahl, das sie
veranstaltete, nur den König und mich teilnehmen lassen. Und auch morgen
bin ich von ihr zusammen mit dem König eingeladen.
13 Aber mein Glück ist noch nicht vollkommen, solange ich den Juden
Mordechai am Tor des Palastes sitzen sehe.
14 Da sagten seine Frau Seresch und alle seine Freunde zu ihm: Man könnte
doch einen Galgen errichten, fünfzig Ellen hoch. Du aber sag morgen früh
dem König, man solle Mordechai daran aufhängen. Dann kannst du mit dem
König frohen Herzens zu dem Mahl gehen. Der Vorschlag gefiel Haman sehr,
und er ließ den Galgen aufstellen.
Beim dritten Gastmahl, das Ester für ihren
Mann Ahasveros und Haman gibt, deckt sie die Pläne Hamans auf, woraufhin
Haman an dem für Mordechai vorgesehenen Galgen aufgehängt wird und
Esters Volk gerettet ist.
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