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Liebe Gemeinde!
Es ist viel im Fluss – in unserem Land und darüber hinaus. Gestern
am 1.Juli wurden erstmals keine Rekruten mehr zur Bundeswehr
eingezogen. Nun griff der Beschluss des Bundestages, die Wehrpflicht
auszusetzen. Offen ist, ob sich in Zukunft genügend Freiwillige für
den Dienst in der Bundeswehr finden und wie viele Männer und Frauen
der Berufsarmee angehören werden. Auch ist noch nicht bekannt,
welche Standorte es weiterhin geben wird. Unklar ist, wie es mit der
Bundeswehr in Afghanistan weitergeht. Die Amerikaner haben vor
kurzem ihre Abzugspläne bekannt gegeben. Was bedeutet das für den
Dienst der deutschen Soldatinnen und Soldaten am Hindukusch?
Es ist viel im Fluss. Die Veränderungen sind
enorm – nicht nur im Blick auf die Bundeswehr. Was früher undenkbar
erschien – etwa der Ausstieg aus der Atomenergie – wird jetzt mit
großer Mehrheit vom Parlament beschlossen. All die Veränderungen und
offenen Fragen lösen auch Irritationen und Unsicherheit aus - bis
hin zu Erschütterungen. Für den einen oder die andere bricht
vielleicht sogar eine kleine Welt zusammen.
Apropos Erschütterungen. Um ihnen stand halten
zu können, braucht es ein festes Fundament im Leben. Im Neuen
Testament hat Jesus vom Bauen auf sicherem Grund gesprochen. Er hat
es ausgedrückt mit dem Bild vom Hausbau. Hören Sie selbst:
Text (siehe rechts)
Es geht darum, Belastungen und Erschütterungen auszuhalten. Um nicht
mit- oder weggespült zu werden, wenn viel im Fluss ist – im Beruf,
in der Gesellschaft oder privat. Gefragt ist Bauen auf festem Grund.
Jesus sagt, wer sich an mich hält, an meine Worte, wer mir vertraut,
der hat ein gutes Fundament, einen sicheren Grund für das Leben.
Liebe Gemeinde! Wer heute ein Haus baut, der muss vieles genau
prüfen lassen, zum Beispiel, wie der Boden beschaffen ist oder ob
die Statik stimmt. Geht es doch darum, vor unliebsamen
Überraschungen gefeit zu sein. Sorgsam und überlegt vorzugehen sowie
die Dinge genau zu prüfen, macht Sinn und schont zudem den
Geldbeutel. Niemand würde blauäugig einen Hausbau beginnen. Keiner
würde wohl auf Sand bauen. Denn das könnte nicht lange gut gehen.
Ein so errichtetes Haus stünde nur für kurze Dauer.
Beim Bau des Lebenshauses scheint mir es oft anders zu sein. Da wird
nicht oder nicht genug darauf geschaut, auf welches Fundament, auf
welchem Untergrund baue ich mein Leben auf. Und da ist zu wenig im
Blick, dass dieses Lebenshaus auch Stürmen und Belastungen
standhalten muss. Deshalb braucht es einen festen Untergrund und
keinen Boden aus Sand.
Da ist jemand, der zielbewusst seine Karriere ansteuert. Er macht
schnell Fortschritte in seiner beruflichen Laufbahn. Er will
weiterkommen. Alles ordnet er dem unter. Doch dann verändern sich
die Rahmenbedingungen. Es kommt zu Umstrukturierungen, die auch ihn
betreffen. Der berufliche Stress steigert sich. Der Mann fühlt sich
zunehmend unwohl. Er fragt sich: Habe ich vielleicht auf Sand
gebaut?
Da ist jemand, der miterleben muss, wie ein Kamerad bei einem Unfall
ums Leben kommt. Obwohl er um die Gefahren seines Berufes wusste,
wird ihm auf erschreckende Weise deutlich, wie zerbrechlich das
Leben ist. Wie es von einem Augenblick zum anderen zu Ende sein
kann. Wie wichtig es ist, sich da nichts vorzumachen. Um nicht von
falschen Sicherheiten auszugehen. Um nicht auf Sand zu bauen.
Und da ist jemand, für den bedeutet sein Häuschen und seine Familie
alles. Er ist ein freundlicher und umgänglicher Zeitgenosse. Doch
dann eröffnet ihm seine Frau, dass sie ihn verlassen wird. Seine
kleine Welt bricht zusammen. Hat er sein Leben auf Sand gebaut?
Liebe Gemeinde! Es gibt er viele Beispiele, wie ein Mensch auf Sand
bauen kann. In den Stürmen des Lebens oder bei Erschütterungen
bekommt das Lebenshaus dann starke Risse und droht, einzustürzen.
Manchmal fällt es auch zusammen wie ein Kartenhaus.
Worauf es also bei allen Veränderungen ankommt, ist, einen festen
Grund im Leben zu haben. Auf etwas bauen zu können, das wirklich
trägt und Bestand hat. Etwas, das Halt vermittelt und hilft,
Stürmen, Belastungen und Erschütterungen standzuhalten. Im Beruf, in
der Gesellschaft und auch persönlich.
"Wer diese meine Rede hört und tut sie" - sagt Jesus -, "der gleicht
einem klugen Mann, der sein Haus auf den Felsen baute. Da nun ein
Platzregen fiel und die Wasser kamen und wehten die Winde und
stießen an das Haus, fiel es doch nicht; denn es war auf dem Fels
gegründet.“ Anders ausgedrückt: Wer auf die Worte Jesu baut, der hat
sein Lebenshaus auf einem stabilen Untergrund errichtet. Wer Jesu
Worten vertraut, der hat eine sichere Grundlage für sein Leben.
Jesu Worte – das sind zum Beispiel die Seligpreisungen, etwa "Selig
sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.“ Jesu
Worte - das ist zum Beispiel der Aufruf zur Sorglosigkeit: "Sorget
nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um
euren Leib, was ihr anziehen werdet." Das ist kein Aufruf, einfach
in den Tag hinein zu leben oder nicht mehr vorzuplanen. Es meint
vielmehr, sich nicht über alles und jedes den Kopf zu zerbrechen,
sondern die Dinge auch abgeben zu können an Gott – im Vertrauen
darauf, dass er letztlich für uns Menschen sorgt. Das zu wissen,
entlastet ungemein und bewahrt davor, sich zu viel aufzuladen und
sich und seine Möglichkeiten zu überschätzen.
Jesu Worten zu vertrauen. Ich denke an Samuel Koch, der im Dezember
letzten Jahres in der ZDF-Show „Wetten dass, ...“ schwer stürzte und
seitdem vom Hals ab querschnittsgelähmt ist. Er hatte versucht, mit
Sprungfedern an den Füßen über fahrende Autos zu springen. Die
ersten beiden Sprünge gelangen. Beim dritten Sprung lief etwas
schief. Der 23-Jährige stürzte und blieb regungslos liegen. Seit
vielen Monaten wird er nun in ei8ner Schweizer Spezialklinik
behandelt. Am vergangenen Wochenende gab es nun das erste
Fernsehinterview mit ihm. Ein bewegendes Gespräch, das er mit dem
Fernsehjournalist Peter Hahne führte. Da saß ein junger Mann, der
von den Schultern ab nichts mehr bewegen kann, und der mit klaren
Sätzen die Herzen der Menschen bewegte. Der auf die Frage, ob er
sich in seiner jetzigen Situation in der Hand Gottes wisse,
antworte: „Ich atme, also auf jeden Fall.“ Es war ein bewegendes
Glaubenszeugnis, das Samuel Koch gab. Weil er ohne Verbitterung über
seine Situation sprach. Und er zeigte: Der Glaube an Gott trägt als
Fundament und gibt Halt, selbst wenn sich von einem Augeblick zum
anderen das Leben grundlegend ändert. Wenn alles im Fluss ist und
nichts mehr so wie früher. Gerade jetzt – sagte Samuel Koch – ist
der Glaube für mich die einzige Alternative. „Selig sind, die Leid
tragen, denn sie sollen getröstet werden“. An diese Worte Jesu
musste ich denke, als ich das Interview sah.
Das Lebenshaus des 23-Jährigen wurde ganz schwer erschüttert. Der
schlimme Unfall brachte es aber nicht zum Einsturz. Es blieb
bestehen. Sicher: Wie tragfähig ein Fundament im Leben ist, zeigt
sich so richtig erst im Ernstfall. Doch auch vorher lässt sich
bereits ersehen, ob es ein fester Untergrund ist. Indem das
Fundament einmal genauer angeschaut und geprüft wird.
Liebe Gemeinde! Seit 40 Jahren gibt es nun den Bundeswehr Standort
Hof. Seit dieser Zeit steht in unmittelbarer Nähe die Kreuzkirche,
deren Turm markant nach oben in den Himmel ragt. Wie ein Fingerzeig
auf Gott hin. Als Hinweis, Gott und sein Wort nicht auszuklammern,
sondern ihn einzubeziehen in den Alltag. Und so eine tragfähige,
stabile Basis für das Leben zu haben. Damit Stürme und
Erschütterungen einem nicht mehr so viel ausmachen können. Der
Kirchturm ist wie eine Mahnung. Gott nicht zu vergessen. Denn er
sorgt für uns Menschen und weiß, was wir brauchen.
Kirchtürme wie der von der benachbarten Kreuzkirche sind wie ein
Fingerzeig auf Gott hin. Sie weisen auf den hin, der dem Leben Halt
und Orientierung gibt. Ihm zu vertrauen, schafft einen guten und
sicheren Grund für das eigene Lebenshaus. Es hilft, mit
Veränderungen und offenen Fragen gelassener umgehen zu können. Und
es ermöglicht, Herausforderungen ruhiger begegnen zu können – im
Vertrauen darauf, von Gott gehalten zu sein. Das zu wissen, ist
wichtig und entlastet. Gerade in Zeiten, wo viel im Fluss ist. Amen.
Dekan Günter Saalfrank |
Text:
Christus spricht:
24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut
sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde
wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war
auf Fels gegründet.
26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht
einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde
wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war
groß.
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