Predigt anlässlich des 40jährigen Jubiläums des Bundeswehr-Standortes Hof
beim Feldgottesdienst auf dem Gelände der Kaserne
Matthäus 7/24-27     02.07.2011

(Von Dekan Günter Saalfrank)

Liebe Gemeinde!

Es ist viel im Fluss – in unserem Land und darüber hinaus. Gestern am 1.Juli wurden erstmals keine Rekruten mehr zur Bundeswehr eingezogen. Nun griff der Beschluss des Bundestages, die Wehrpflicht auszusetzen. Offen ist, ob sich in Zukunft genügend Freiwillige für den Dienst in der Bundeswehr finden und wie viele Männer und Frauen der Berufsarmee angehören werden. Auch ist noch nicht bekannt, welche Standorte es weiterhin geben wird. Unklar ist, wie es mit der Bundeswehr in Afghanistan weitergeht. Die Amerikaner haben vor kurzem ihre Abzugspläne bekannt gegeben. Was bedeutet das für den Dienst der deutschen Soldatinnen und Soldaten am Hindukusch?

Es ist viel im Fluss. Die Veränderungen sind enorm – nicht nur im Blick auf die Bundeswehr. Was früher undenkbar erschien – etwa der Ausstieg aus der Atomenergie – wird jetzt mit großer Mehrheit vom Parlament beschlossen. All die Veränderungen und offenen Fragen lösen auch Irritationen und Unsicherheit aus - bis hin zu Erschütterungen. Für den einen oder die andere bricht vielleicht sogar eine kleine Welt zusammen.

Apropos Erschütterungen. Um ihnen stand halten zu können, braucht es ein festes Fundament im Leben. Im Neuen Testament hat Jesus vom Bauen auf sicherem Grund gesprochen. Er hat es ausgedrückt mit dem Bild vom Hausbau. Hören Sie selbst:

Text (siehe rechts)

Es geht darum, Belastungen und Erschütterungen auszuhalten. Um nicht mit- oder weggespült zu werden, wenn viel im Fluss ist – im Beruf, in der Gesellschaft oder privat. Gefragt ist Bauen auf festem Grund. Jesus sagt, wer sich an mich hält, an meine Worte, wer mir vertraut, der hat ein gutes Fundament, einen sicheren Grund für das Leben.

Liebe Gemeinde! Wer heute ein Haus baut, der muss vieles genau prüfen lassen, zum Beispiel, wie der Boden beschaffen ist oder ob die Statik stimmt. Geht es doch darum, vor unliebsamen Überraschungen gefeit zu sein. Sorgsam und überlegt vorzugehen sowie die Dinge genau zu prüfen, macht Sinn und schont zudem den Geldbeutel. Niemand würde blauäugig einen Hausbau beginnen. Keiner würde wohl auf Sand bauen. Denn das könnte nicht lange gut gehen. Ein so errichtetes Haus stünde nur für kurze Dauer.

Beim Bau des Lebenshauses scheint mir es oft anders zu sein. Da wird nicht oder nicht genug darauf geschaut, auf welches Fundament, auf welchem Untergrund baue ich mein Leben auf. Und da ist zu wenig im Blick, dass dieses Lebenshaus auch Stürmen und Belastungen standhalten muss. Deshalb braucht es einen festen Untergrund und keinen Boden aus Sand.

Da ist jemand, der zielbewusst seine Karriere ansteuert. Er macht schnell Fortschritte in seiner beruflichen Laufbahn. Er will weiterkommen. Alles ordnet er dem unter. Doch dann verändern sich die Rahmenbedingungen. Es kommt zu Umstrukturierungen, die auch ihn betreffen. Der berufliche Stress steigert sich. Der Mann fühlt sich zunehmend unwohl. Er fragt sich: Habe ich vielleicht auf Sand gebaut?

Da ist jemand, der miterleben muss, wie ein Kamerad bei einem Unfall ums Leben kommt. Obwohl er um die Gefahren seines Berufes wusste, wird ihm auf erschreckende Weise deutlich, wie zerbrechlich das Leben ist. Wie es von einem Augenblick zum anderen zu Ende sein kann. Wie wichtig es ist, sich da nichts vorzumachen. Um nicht von falschen Sicherheiten auszugehen. Um nicht auf Sand zu bauen.

Und da ist jemand, für den bedeutet sein Häuschen und seine Familie alles. Er ist ein freundlicher und umgänglicher Zeitgenosse. Doch dann eröffnet ihm seine Frau, dass sie ihn verlassen wird. Seine kleine Welt bricht zusammen. Hat er sein Leben auf Sand gebaut?

Liebe Gemeinde! Es gibt er viele Beispiele, wie ein Mensch auf Sand bauen kann. In den Stürmen des Lebens oder bei Erschütterungen bekommt das Lebenshaus dann starke Risse und droht, einzustürzen. Manchmal fällt es auch zusammen wie ein Kartenhaus.

Worauf es also bei allen Veränderungen ankommt, ist, einen festen Grund im Leben zu haben. Auf etwas bauen zu können, das wirklich trägt und Bestand hat. Etwas, das Halt vermittelt und hilft, Stürmen, Belastungen und Erschütterungen standzuhalten. Im Beruf, in der Gesellschaft und auch persönlich.

"Wer diese meine Rede hört und tut sie" - sagt Jesus -, "der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf den Felsen baute. Da nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und wehten die Winde und stießen an das Haus, fiel es doch nicht; denn es war auf dem Fels gegründet.“ Anders ausgedrückt: Wer auf die Worte Jesu baut, der hat sein Lebenshaus auf einem stabilen Untergrund errichtet. Wer Jesu Worten vertraut, der hat eine sichere Grundlage für sein Leben.

Jesu Worte – das sind zum Beispiel die Seligpreisungen, etwa "Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.“ Jesu Worte - das ist zum Beispiel der Aufruf zur Sorglosigkeit: "Sorget nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet." Das ist kein Aufruf, einfach in den Tag hinein zu leben oder nicht mehr vorzuplanen. Es meint vielmehr, sich nicht über alles und jedes den Kopf zu zerbrechen, sondern die Dinge auch abgeben zu können an Gott – im Vertrauen darauf, dass er letztlich für uns Menschen sorgt. Das zu wissen, entlastet ungemein und bewahrt davor, sich zu viel aufzuladen und sich und seine Möglichkeiten zu überschätzen.

Jesu Worten zu vertrauen. Ich denke an Samuel Koch, der im Dezember letzten Jahres in der ZDF-Show „Wetten dass, ...“ schwer stürzte und seitdem vom Hals ab querschnittsgelähmt ist. Er hatte versucht, mit Sprungfedern an den Füßen über fahrende Autos zu springen. Die ersten beiden Sprünge gelangen. Beim dritten Sprung lief etwas schief. Der 23-Jährige stürzte und blieb regungslos liegen. Seit vielen Monaten wird er nun in ei8ner Schweizer Spezialklinik behandelt. Am vergangenen Wochenende gab es nun das erste Fernsehinterview mit ihm. Ein bewegendes Gespräch, das er mit dem Fernsehjournalist Peter Hahne führte. Da saß ein junger Mann, der von den Schultern ab nichts mehr bewegen kann, und der mit klaren Sätzen die Herzen der Menschen bewegte. Der auf die Frage, ob er sich in seiner jetzigen Situation in der Hand Gottes wisse, antworte: „Ich atme, also auf jeden Fall.“ Es war ein bewegendes Glaubenszeugnis, das Samuel Koch gab. Weil er ohne Verbitterung über seine Situation sprach. Und er zeigte: Der Glaube an Gott trägt als Fundament und gibt Halt, selbst wenn sich von einem Augeblick zum anderen das Leben grundlegend ändert. Wenn alles im Fluss ist und nichts mehr so wie früher. Gerade jetzt – sagte Samuel Koch – ist der Glaube für mich die einzige Alternative. „Selig sind, die Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“. An diese Worte Jesu musste ich denke, als ich das Interview sah.

Das Lebenshaus des 23-Jährigen wurde ganz schwer erschüttert. Der schlimme Unfall brachte es aber nicht zum Einsturz. Es blieb bestehen. Sicher: Wie tragfähig ein Fundament im Leben ist, zeigt sich so richtig erst im Ernstfall. Doch auch vorher lässt sich bereits ersehen, ob es ein fester Untergrund ist. Indem das Fundament einmal genauer angeschaut und geprüft wird.

Liebe Gemeinde! Seit 40 Jahren gibt es nun den Bundeswehr Standort Hof. Seit dieser Zeit steht in unmittelbarer Nähe die Kreuzkirche, deren Turm markant nach oben in den Himmel ragt. Wie ein Fingerzeig auf Gott hin. Als Hinweis, Gott und sein Wort nicht auszuklammern, sondern ihn einzubeziehen in den Alltag. Und so eine tragfähige, stabile Basis für das Leben zu haben. Damit Stürme und Erschütterungen einem nicht mehr so viel ausmachen können. Der Kirchturm ist wie eine Mahnung. Gott nicht zu vergessen. Denn er sorgt für uns Menschen und weiß, was wir brauchen.

Kirchtürme wie der von der benachbarten Kreuzkirche sind wie ein Fingerzeig auf Gott hin. Sie weisen auf den hin, der dem Leben Halt und Orientierung gibt. Ihm zu vertrauen, schafft einen guten und sicheren Grund für das eigene Lebenshaus. Es hilft, mit Veränderungen und offenen Fragen gelassener umgehen zu können. Und es ermöglicht, Herausforderungen ruhiger begegnen zu können – im Vertrauen darauf, von Gott gehalten zu sein. Das zu wissen, ist wichtig und entlastet. Gerade in Zeiten, wo viel im Fluss ist. Amen.

Dekan Günter Saalfrank

Text:

Christus spricht:

24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

 


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