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Predigt Liedpredigt zu EG 317 4. Sonntag nach Trinitatis 09.07.06
"Lobe den Herren den mächtigen König der Ehren" |
| Liebe Leser,
1. Was muss geschehen, um Gott zu loben? Wie gut muss es uns gehen, bis wir Gott loben?
In der Evangeliumlesung hörten wir: Was muss geschehen, um Gott so zu loben: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören! Nichts muss geschehen, außer, dass wir begreifen, wer wir sind und wer Gott ist. Ehrfürchtig vor Gott müssen wir werden und unsere Arroganz und unsere Eingebildetheiten ablegen und begreifen, dass wir Menschen sind und keine Götter und dass sich die Erde nicht um uns dreht, sondern uns Gott hineingestellt hat in ein viel größeres Ganzes, das wir gar nicht begreifen können. Wir können es erforschen, aber nicht fassen. Den Kosmos, die Atmosphäre, das Zusammenspiel von Luft und Wind und Wasser. Die Genialität unseres Körpers, wo winzige Veränderungen im Stoffwechsel oder Hormonhaushalt alles durcheinander bringen können. Wir sehen mit den Augen und sehen doch vieles nicht, weil wir so kurzsichtig sind und dafür hat der Optiker keine Brille und die gibt es auch nicht bei Fielmann oder auf Rezept. Unsere Selbstüberschätzungen und unsere Überheblichkeiten müssen wir eintauschen gegen ein großes Staunen über das Wunder des Lebens und dass wir leben. Ehrfürchtig müssen wir werden und bescheiden, zum Staunen bereit: Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret? Wir verspüren das schon lange nicht mehr in unserem Gieren nach mehr
und noch mehr und noch mehr ... Der Konsum braucht die permanente
Unzufriedenheit und produziert sie gleichzeitig und wir lassen uns
verführen. Das Schöne, das Tolle, das Gute ist anscheinend nie da, wo ich bin
und so müssen wir permanent unterwegs sein auf der Suche nach dem
Anderen, dem Besseren, dem Schöneren. Und wir finden es nicht.
Doch Schönheit kann man nicht kaufen und Staunen auch nicht und
Zufriedenheit auch nicht. Die muss man spüren und zulassen. Doch
dafür brauchen wir Zeit und Zeiten. Und dann sieht man und hört man
es wieder, das Summen und Brummen, das Lachen und Tanzen um uns
herum oder ganz im Stillen, so wie vorgestern Abend beim Gassi gehen
mit meinem Hund Rudi; da sieht mich plötzlich ein Reh aus der Wiese
an und es beobachtet mich und verfolgt mich mit den Augen, bis ich
hinter einer Baumgruppe verschwinde, um dann in Ruhe weiter zu äsen. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet! Undankbar sind wir, bis unter die Haarwurzeln und darum voller Ängste bis hinunter zu den Zehen. Wir sind gesund und fürchten uns dennoch permanent vor Krankheiten. Bei jedem Sonnenbrand steht uns der Hautkrebs vor den Augen, die Beeren im Wald essen wir nicht vor lauter Sorge vor dem Fuchsbandwurm und wir lassen die Kinder nicht mehr im Freien spielen aus Angst vor den Killerzecken, die nur darauf warten jeden mit Borelliose zu infizieren. Wie hieß dieses Buch von Paul Watzlawick: „Anleitung zum Unglücklich sein.“ Das müssen wir gar nicht lesen. Das können wir selber schreiben. Als ob wir nicht gesund sein dürften, verfallen wir in den Wettstreit der Krankheiten – Bluthochdruck contra Nierenschmerzen. Magenspiegelung contra Herzkatheder. Die Kur ist Trumpf. Und die ernsthaft Kranken gehen daneben oft still und tapfer ihren Weg, dankbar für einen guten Tag oder für eine ruhige Nacht. Bei der Erzählung von der Heilung des Gelähmten bei Mk 2 fangen die
Menschen an, Gott zu loben, weil sie mit dabei sein dürfen, wie
einer gesund wird. Sie freuen sich, dass ein anderer geheilt wird
und preisen Gott. Und wir? Wir neiden es dem anderen und
blöken: Ich bin aber nicht
gesund geworden. Das ist ungerecht. Wie sagte es gestern Abend unsere Bundeskanzlerin nach dem kleinen
Finale: „Was mich besonders freut, ist, dass sich die Menschen in
unserem Land so freuen können, auch wenn wir einmal nicht die Ersten
sind.“ Hoffentlich bleibt das so.
Was sind wir oftmals bloß stolz und bockig und suchen nur nach
Gründen, um Gott ja nicht loben zu müssen. Wir sind so maßlos
geworden in unseren Ansprüchen und in unseren Erwartungen.
Zuerst komme ich und dann komme ich und danach, da komme ich. Wer mag heute schon noch seinen Stand sichtbar gesegnet wissen. Wir haben dann doch immer gleich Angst, dass die Steuer kommt und alle anderen etwas von mir wollen. „Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet.“ Früher war man stolz auf seine Kinder und man hat sie geliebt, auch wenn man oftmals gar nicht wusste, wie man sie ernähren konnte. Der Anblick der friedlich schlafenden Kinder hat einem die Tränen in die Augen getrieben und einem Kraft gegeben für die Anstrengungen am nächsten Tag. Heute sprechen wir vom Kostenfaktor Kind und lassen uns weiß machen,
dass sich der Wert eines Kindes in Euro berechnen ließe. Was für
eine hässliche Welt. Und dann kommt das Finale. Neander lässt uns keinen Ausweg. Keine Ausflüchte! Keine Atempause! Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen. Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen. Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht. Lobende, schließe mit Amen! Und wir sagen: „Nix g´sacht ist globt gnuch.“
Das ist zu wenig. Manchmal muss einem vor Staunen der Mund offen bleiben und die Worte
müssen uns fehlen und es muss nur ein boh und ein aah und ein wow
bleiben. Und es kostet nichts, sondern es reicht, wenn wir uns einfach nur
eine halbe Stunde vor eine Blume setzen und sie anschauen. Nicht
quasseln, sondern anschauen und uns ansprechen lassen von ihrer
Schönheit und ihrer Besonderheit und dabei anfangen zu vergessen.
Wir brauchen das, um nicht in uns zu ersticken und in uns zu
ertrinken. Wir müssen uns öfter mit hineinnehmen lassen in so ein
Loben und freies Lachen und Singen und Feiern.
Das ist gesund und tut der Seele gut. Es gehört gar nicht viel dazu, wenn wir an Paulus und Silas denken,
die im Gefängnis Gott loben oder an die kranke Frau oder unseren
Liederdichter Joachim Neander. Wir müssen nur bereit sein, uns ansprechen zu lassen von Gott mitten
im Alltag. Und müssen aufhören mit unserem Wahn, zu meinen, alles
selber bestimmen und machen können. Dabei bleibt nicht nur unsere Umgebung auf der Strecke, sondern auch
wir. |
Text:
1. Lobe den Herren, den mächtigen König der
Ehren, 2. Lobe
den Herren, der alles so herrlich regieret, 3.
Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, 4. Lobe
den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, 5. Lobe
den Herren, was in mir ist, lobe den Namen. |
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