| Liebe Leser,
der Predigttext für diesen 3.So. n.
Epiphanias ist eine Geschichte aus dem Leben. Sie steht im AT. Das
AT schreibt fast nur Geschichten aus dem Leben. So kommt es ja auch
nicht von ungefähr, warum man die Bibel „das Buch des Lebens“ nennt.
Ich lese gerne gerade die altestamentliche
Erzählungen, weil sie so selten beschönigen, sondern einfach
erzählen und die Menschen so viele Kanten haben, dass sie für uns
einladend und glaubhaft sind, auf ihrem Weg des Glaubens, dem Weg
mit Gott. Unser Predigttext spricht für sich
selbst, so dass ich ihnen die Erzählung vorlesen, so wie sie da
steht und mit einigen erklärenden Bemerkungen versehe, um das
Gelesene ins heute auszulegen. Wir werden
dabei hindurchgeführt durch unsere eigenen Ecken und
Kanten, durch unsere eigenen Krankheitsgeschichten und die
ärztlichen Wartezimmer und werden uns fragen lassen müssen: Was
glauben wir? Und was bekennen wir?
1. Hinführung
Wir befinden uns im Land Israel um die Zeit 850 v. Christi Geburt.
Im Nordosten Israels liegt das Königreich der Aramäer, das heutige
Syrien. Immer wieder kommt es zu kämpferischen Auseinandersetzungen
zwischen beiden Nachbarstaaten; das ist bis heute so geblieben, wenn
wir an die Golanhöhen denken. Doch die Politik spielt in unserer
Erzählung nur am Rande eine Rolle. Ungewöhnlich ist, dass unsere
Geschichte im Ausland beginnt, bei den Aramäern – also im heutigen
Syrien.
2. Kranke werden entlassen
(Vers 1)
Naäman ist krank. Er hat Aussatz. Und wenn das so weitergeht, dann
ist seine Karriere bald zu Ende. Er ist eine Kapazität auf seinem
Gebiet und erfolgreich – er ist Feldhauptmann und der König hält
große Stücke auf ihn, doch wenn er nicht bald gesund wird, wird man
ihn ersetzen müssen, denn einen Kranken kann man auf Dauer nicht
gebrauchen. Das ist bis heute so geblieben. Und darum versucht
Naäman alles, um wieder gesund zu werden.
3. Ein junges Mädchen bekennt ihren Glauben
(Vers 2-3)
Hilfe wird angeboten, doch man fragt sich: Warum tut dieses junge
Mädchen das? Hätte sie nicht allen Grund, ihren Herrn Naäman – den
Feind ihres Volkes - jämmerlich zu Grunde gehen zu lassen. Sie war
doch entführt worden, herausgerissen aus ihrer Familie und ihrer
Heimat, aus ihrer Religion, allein in der Fremde allein. Müsste sie
denn nicht eigentlich wütend sein auf ihren Gott, dass er das
zugelassen hat und auf diese Familie, in der sie zwangsweise und
gegen ihren Willen arbeiten muss.
Doch wir lesen hier nichts von Zorn oder Hader, sondern von ihrer
Sorge und Fürsorge an dem Ort, an dem sie steht. Sie hätte auch
nichts sagen müssen. Und wir fragen uns: Was trägt sie? Was hält
sie? Was ist das für ein Glaube, der sie in dieser Situation noch
sagen lässt: Ach, dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria!
Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien.
Allein schon über einen solchen Glauben würde es sich lohnen weiter
nachzusinnen in der Predigt, wenn Glaube trägt, trotz aller
Katastrophen des Lebens.
Ist dieser Gott des Prophet ja wohl nicht stark genug gewesen, um
sie selbst aus der Gefangenschaft zu befreien. Und doch bekennt sie
ihren Glauben. Und sie hatte keine Angst davor, ausgelacht zu
werden. Im Gegenteil. Dieses junge Mädchen muss so überzeugend
gewesen sein, dass es weiter heißt:
(Vers 4-6)
4. Auf der Suche nach der rechten Hilfe
Wir kennen das ja auch. Wenn wir krank sind, ernsthaft krank, dann
laufen wir auch von einem Spezialisten zum anderen. Und der eine
sagt so und der andere so und der dritte noch anders. Und dann gibt
es die Gespräche: „Du, der Doktor ist gut. Der hat mir geholfen, da
musst du auch hingehen.“ „Also ich war dort bei dem Guru; der hat
mir nur in die Augen gesehen und er wusste, was ich schon alles
hatte.“ Bei Krankheiten kennen wir uns aus. Manche reisen dabei um
die halbe Welt. Der Gesundheitsmarkt boomt.
Natürlich probieren wir oft alles Mögliche
und Unmögliche aus und gut ist es, wenn es
dann auch wirklich hilft. Doch eines war anscheinend schon damals
klar: Das kostet dich eine Stange Geld; denn die, die dich gesund
machen, haben das noch nie umsonst gemacht. Und wenn du einen ganz
guten Arzt haben willst, dann musst du eben auch dementsprechend
bezahlen. Naäman ist gerüstet. Doch was dann
passiert, ist eher amüsant.
5. Provokation? (Vers 7)
Dass der König sich nicht als Gott gebärdet, macht ihn in meinen
Augen sympathisch – da gab es und gibt es ja immer wieder auch ganz
andere Führer, die sich Gott gleich gebärden und töten und lebendig
machen, ganz nach ihrem Gusto.
Der König Israels weiß zumindest noch, wer Gott ist und wer nicht.
Doch was dann kommt, ist so zutiefst menschlich, dass man schon fast
wieder darüber lachen muss, wenn es nicht trauriger Alltag wäre. Da
sind zwei Parteien zerstritten. Immer wieder bekommen sie sich in
die Haare. Ob zwischen Ehepaaren oder Nachbarn, in der
Verwandtschaft oder in der Politik. Ein ewiges Gehakle. Und dann
kommt einer von beiden mit einem ernsten Anliegen: „Hilf mir, ich
komm nicht weiter.“ Und was geschieht. Schon wird es gegen einen
verkehrt und der andere tobt aus lauter Argwohn: „Das ist doch
wieder nur ein fauler Trick. Ein Hinterhalt. Eine Provokation. Merkt
und seht, wie er Streit mit mir sucht "–
deswegen liebe ich das Alte Testament, weil es so nüchtern
beschreibt, wie wir Menschen sind.
6. Elisa lässt bitten
Doch nun mischt sich die Hauptperson ein. Der Gottesmann. Der, der
mit solchen Kinkerlitzchen nichts anfangen kann. Elisa, der Prophet.
Und es heißt: (Vers 8-9)
Das, was sonst unter der Würde der hohen Herren ist, weil Gleiches
nur mit Gleichem verkehrt, das spielt plötzlich keine Rolle mehr.
Elisa wohnte nicht wie Könige und trotzdem kamen sie zu ihm. So auch
hier. Und Elisa stört es weder, dass Naäman ein Ausländer ist und
ein Feind noch dazu. Es stört ihn auch nicht, dass dieser einen ganz
anderen Glauben hat. Elisa lässt bitten.
7. Wir wissen es besser
Und nun wird es spannend. Achten sie auf alles, was nun geschieht:
(Vers 10-12) Wir wissen nicht,
warum Elisa nicht persönlich erscheint. Das ist auch nicht wichtig.
Doch Naäman reagiert so, wie wir es erwarten: Der Chef muss
persönlich zu mir kommen. Mich hat der Chefarzt persönlich
behandelt. Wir kennen das. Unter dem Chef geht gar nichts. Und kaum
sind wir im Behandlungszimmer: Herr Doktor, ich weiß schon was ich
habe und ich weiß auch, wie sie mich behandeln müssen. Wie heißt es
hier: Er selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den
Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum
Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien. hertreten
und den Namen des Herrn anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum
erheben.
Einen religiösen Hokuspokus soll er aufführen, wie die Schamanen.
Feng Shui vom Feinsten. Hier ein Federchen, da ein Lichtlein. Dort
die Aura freigebetet. Was für das Religiöse gilt, gilt auch für das
Weltliche – unsere Götter in weiß: Wie? Ich
muss nicht unter das Röntgengerät? Kein Kernspin. Kein dreitägiger
Check-up in der Klinik? Kein Verband? Keine teuren Medikamente? Ich
soll langsamer tun, Gymnastik, mehr Bewegung und weniger Essen. Mit
dem Alkohol und dem Rauchen aufpassen. Das kann nicht sein. Das
hätte ich zu Hause auch haben können. Was soll das für ein Arzt
sein.Und Naäman wandte sich und zog weg im Zorn.
8. Weniger ist mehr
Dass sich der Mensch immer nach dem anderen sehnt. Das Einfache ist
anscheinend zu einfach. Groß und kompliziert muss es sein. Doch
seine Diener finden die passenden Worte.
(Vers 13-14)
9. Gesundheit und Glaube
Ein Wunder? Oder nur die richtige, ärztliche Behandlung? Obwohl, das
spielt eigentlich keine Rolle. Naäman ist wieder gesund. Er hat sich
dem Therapievorschlag Elisas ausgeliefert, ist siebenmal
untergetaucht und ist gesund geworden. Doch bei dem Naäman ist
dadurch noch mehr passiert – und darum steht diese Erzählung auch
hier in der Bibel. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich hat
sich bei ihm etwas verändert. Und so lesen wir weiter:
(Vers 15) Naäman ist nicht nur
gesund geworden, sondern er hatte bei diesem Gesundwerden ein
Gotteserlebnis. Dieser Gott, von dem sich Elisa getragen weiß,
dieser Gott, der so stark ist, dass sogar seine Dienerin in der
Fremde einem Fremden hilfreichen Rat gibt. Dieser Gott hat mich
gesund gemacht. Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen
Landen, außer in Israel.
Das ist das Zentrum dieser Erzählung. Und ich
frage mich, wann sind wir das letzte Mal gesund geworden und haben
dabei Gott erkannt. Gott als den Herrn über Leben und Tot. Jedes
Penicillin, jeder Rettungshubschrauber, jedes Röntgengerät und jeder
Fortschritt in der Mikrochirurgie, der Krebstherapie oder der
Rehabilitation – nur Menschenwerk. Danke, Frau Doktor soundso.
Danke, Herr Ingenieur. Denen auch Dank – natürlich. Doch darüber
hinaus sind es doch nicht die, in dessen Hände unsere Geschicke
liegen. Der König Israels wusste noch den feinen Unterschied, wenn
er sagt: Bin ich denn Gott, dass ich töten und lebendig machen
könnte, dass er zu mir schickt, ich solle den Mann von seinem
Aussatz befreien? Tun wir denn das noch?
Kein Wunder, wenn wir um die letzten medizinischen Möglichkeiten
kämpfen und dann haltlos vor dem Nichts stehen, wenn es doch keine
Rettung mehr gibt. Wen lassen wir da
entscheiden über Leben und Tod. Tragen tut
doch ein anderer – im Leben und im Sterben. „Hilf du, mein Gott und
Herr und lass mich die richtige Hilfe erfahren durch die anderen.“
Müssen wir es uns erst wieder von einem Ausländer sagen
lassen, wer dieser Gott ist und was er ist:
„Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in
Israel.“ Es würde schon reichen, wenn die
Gesunden und die wieder gesund Gewordenen unter uns so sprechen
könnten. Von den Kranken verlange ich es ja gar nicht. Wobei die oft
dankbarer sind als die Gesunden. Wir sagen:
Noch einmal Glück gehabt. Oder wenn es zu spät ist, dann erheben wir
anklagend die Faust: Wo bist du Gott?
Das junge Mädchen aber spricht in der Fremde zu den Fremden: Ich
kennen einen Gott, der hilft und seinen Gesandten, den Propheten
Elisa. Und der Fremde Naämann muss uns dann
sagen: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen,
außer in Israel. Es würde schon reichen, wenn wir, wo wir gesund
geworden sind oder es uns gut ginge, Gott gelobt hätten und dankbar
gewesen wären und ihn verherrlicht hätten, damit wir ihn wieder
bitten können, wenn es uns schlecht geht.
Und Elisa verabschiedet Naäman mit den Worten:
Zieh hin mit Frieden!
(Vers 19) Oh ja, man könnte viel fürs Leben lernen,
wenn man denn aus dem Buch des Lebens lernen wollte. Doch so wissen
wir oft selbst die besseren Lösungen und geben uns unsere eigenen
Antworten und tauchen nicht siebenmal unter – das wäre ja zu einfach
- sondern wenden uns lieber ab und ziehen weg im Zorn und wissen
dann nicht mehr, dass es keinen Gott gibt, außer den dreieinigen,
den wir Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist nennen, den Herrn über
Leben und Tod. Aber vielleicht brauchen wir
das gar nicht mehr, weil wir an uns selbst und an unserer Welt schon
genug haben. Doch wer spricht dann über uns dieses Wort „Zieh hin
mit Frieden“?
Pfarrer
Martin Adel
(Dreieinigkeitskirche
Hof)
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Text:
(1)Naaman, der Feldhauptmann des Königs von
Aram, war ein trefflicher Mann vor seinem Herrn und wertgehalten;
denn durch ihn gab der HERR den Aramäern Sieg. Und er war ein
gewaltiger Mann, jedoch aussätzig.
(2)Aber die Kriegsleute der Aramäer waren ausgezogen und hatten ein
junges Mädchen weggeführt aus dem Lande Israel; die war im Dienst
der Frau Naamans.
(3)Die sprach zu ihrer Herrin: Ach, dass mein Herr wäre bei dem
Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien.
(4)Da ging Naaman hinein zu seinem Herrn und sagte es ihm an und
sprach: So und so hat das Mädchen aus dem Lande Israel geredet.
(5)Der König von Aram sprach: So zieh hin, ich will dem König von
Israel einen Brief schreiben. Und er zog hin und nahm mit sich zehn
Zentner Silber und sechstausend Goldgulden und zehn Feierkleider
(6)und brachte den Brief dem König von Israel; der lautete: Wenn
dieser Brief zu dir kommt, siehe, so wisse, ich habe meinen Knecht
Naaman zu dir gesandt, damit du ihn von seinem Aussatz befreist.
(7)Und als der König von Israel den Brief las, zerriss er seine
Kleider und sprach: Bin ich denn Gott, dass ich töten und lebendig
machen könnte, dass er zu mir schickt, ich solle den Mann von seinem
Aussatz befreien? Merkt und seht, wie er Streit mit mir sucht!
(8)Als Elisa, der Mann Gottes, hörte, dass der König von Israel
seine Kleider zerrissen hatte, sandte er zu ihm und ließ ihm sagen:
Warum hast du deine Kleider zerrissen? Lass ihn zu mir kommen, damit
er innewerde, dass ein Prophet in Israel ist.
(9)So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür am Hause
Elisas.
(10)Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Geh hin
und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder
heil und du wirst rein werden.
(11)Da wurde Naaman zornig und zog weg und sprach: Ich meinte, er
selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des
HERRN, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum
erheben und mich so von dem Aussatz befreien.
(12)Sind nicht die Flüsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als
alle Wasser in Israel, so dass ich mich in ihnen waschen und rein
werden könnte? Und er wandte sich und zog weg im Zorn.
(13)Da machten sich seine Diener an ihn heran, redeten mit ihm und
sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes geboten
hätte, hättest du es nicht getan? Wie viel mehr, wenn er zu dir
sagt: Wasche dich, so wirst du rein!
(14)Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der
Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie
das Fleisch eines jungen Knaben, und er wurde rein.
(15)Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes mit allen seinen Leuten.
Und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich,
dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel; so nimm nun
eine Segensgabe von deinem Knecht.
(16)Elisa aber sprach: So wahr der HERR lebt, vor dem ich stehe: ich
nehme es nicht. Und er nötigte ihn, dass er es nehme; aber er wollte
nicht.
(17)Da sprach Naaman: Wenn nicht, so könnte doch deinem Knecht
gegeben werden von dieser Erde eine Last, soviel zwei Maultiere
tragen! Denn dein Knecht will nicht mehr andern Göttern opfern und
Brandopfer darbringen, sondern allein dem HERRN.
(18)Nur darin wolle der HERR deinem Knecht gnädig sein: wenn mein
König in den Tempel Rimmons geht, um dort anzubeten, und er sich auf
meinen Arm lehnt und ich auch anbete im Tempel Rimmons, dann möge
der HERR deinem Knecht vergeben.
(19)Er sprach zu ihm: Zieh hin mit Frieden! |