Predigt    2.Könige 5/1-19   3. Sonntag n. Epiphanias   22.01.06

"Es ist kein anderer Gott"
(Von Pfarrer Martin Adel, Dreieinigkeit Hof)

Liebe Leser,

der Predigttext für diesen 3.So. n. Epiphanias ist eine Geschichte aus dem Leben. Sie steht im AT. Das AT schreibt fast nur Geschichten aus dem Leben. So kommt es ja auch nicht von ungefähr, warum man die Bibel „das Buch des Lebens“ nennt. Ich lese gerne gerade die altestamentliche Erzählungen, weil sie so selten beschönigen, sondern einfach erzählen und die Menschen so viele Kanten haben, dass sie für uns einladend und glaubhaft sind, auf ihrem Weg des Glaubens, dem Weg mit Gott. Unser Predigttext spricht für sich selbst, so dass ich ihnen die Erzählung vorlesen, so wie sie da steht und mit einigen erklärenden Bemerkungen versehe, um das Gelesene ins heute auszulegen. Wir werden dabei hindurchgeführt durch unsere eigenen Ecken und Kanten, durch unsere eigenen Krankheitsgeschichten und die ärztlichen Wartezimmer und werden uns fragen lassen müssen: Was glauben wir? Und was bekennen wir?

1. Hinführung

Wir befinden uns im Land Israel um die Zeit 850 v. Christi Geburt. Im Nordosten Israels liegt das Königreich der Aramäer, das heutige Syrien. Immer wieder kommt es zu kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen beiden Nachbarstaaten; das ist bis heute so geblieben, wenn wir an die Golanhöhen denken. Doch die Politik spielt in unserer Erzählung nur am Rande eine Rolle. Ungewöhnlich ist, dass unsere Geschichte im Ausland beginnt, bei den Aramäern – also im heutigen Syrien.

2. Kranke werden entlassen (Vers 1)

Naäman ist krank. Er hat Aussatz. Und wenn das so weitergeht, dann ist seine Karriere bald zu Ende. Er ist eine Kapazität auf seinem Gebiet und erfolgreich – er ist Feldhauptmann und der König hält große Stücke auf ihn, doch wenn er nicht bald gesund wird, wird man ihn ersetzen müssen, denn einen Kranken kann man auf Dauer nicht gebrauchen. Das ist bis heute so geblieben. Und darum versucht Naäman alles, um wieder gesund zu werden.

3. Ein junges Mädchen bekennt ihren Glauben (Vers 2-3)

Hilfe wird angeboten, doch man fragt sich: Warum tut dieses junge Mädchen das? Hätte sie nicht allen Grund, ihren Herrn Naäman – den Feind ihres Volkes - jämmerlich zu Grunde gehen zu lassen. Sie war doch entführt worden, herausgerissen aus ihrer Familie und ihrer Heimat, aus ihrer Religion, allein in der Fremde allein. Müsste sie denn nicht eigentlich wütend sein auf ihren Gott, dass er das zugelassen hat und auf diese Familie, in der sie zwangsweise und gegen ihren Willen arbeiten muss.

Doch wir lesen hier nichts von Zorn oder Hader, sondern von ihrer Sorge und Fürsorge an dem Ort, an dem sie steht. Sie hätte auch nichts sagen müssen. Und wir fragen uns: Was trägt sie? Was hält sie? Was ist das für ein Glaube, der sie in dieser Situation noch sagen lässt: Ach, dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien.

Allein schon über einen solchen Glauben würde es sich lohnen weiter nachzusinnen in der Predigt, wenn Glaube trägt, trotz aller Katastrophen des Lebens.
Ist dieser Gott des Prophet ja wohl nicht stark genug gewesen, um sie selbst aus der Gefangenschaft zu befreien. Und doch bekennt sie ihren Glauben. Und sie hatte keine Angst davor, ausgelacht zu werden. Im Gegenteil. Dieses junge Mädchen muss so überzeugend gewesen sein, dass es weiter heißt: (Vers 4-6)

4. Auf der Suche nach der rechten Hilfe

Wir kennen das ja auch. Wenn wir krank sind, ernsthaft krank, dann laufen wir auch von einem Spezialisten zum anderen. Und der eine sagt so und der andere so und der dritte noch anders. Und dann gibt es die Gespräche: „Du, der Doktor ist gut. Der hat mir geholfen, da musst du auch hingehen.“ „Also ich war dort bei dem Guru; der hat mir nur in die Augen gesehen und er wusste, was ich schon alles hatte.“ Bei Krankheiten kennen wir uns aus. Manche reisen dabei um die halbe Welt. Der Gesundheitsmarkt boomt. Natürlich probieren wir oft alles Mögliche und Unmögliche aus und gut ist es, wenn es dann auch wirklich hilft. Doch eines war anscheinend schon damals klar: Das kostet dich eine Stange Geld; denn die, die dich gesund machen, haben das noch nie umsonst gemacht. Und wenn du einen ganz guten Arzt haben willst, dann musst du eben auch dementsprechend bezahlen. Naäman ist gerüstet. Doch was dann passiert, ist eher amüsant.

5. Provokation? (Vers 7)

Dass der König sich nicht als Gott gebärdet, macht ihn in meinen Augen sympathisch – da gab es und gibt es ja immer wieder auch ganz andere Führer, die sich Gott gleich gebärden und töten und lebendig machen, ganz nach ihrem Gusto.
Der König Israels weiß zumindest noch, wer Gott ist und wer nicht. Doch was dann kommt, ist so zutiefst menschlich, dass man schon fast wieder darüber lachen muss, wenn es nicht trauriger Alltag wäre. Da sind zwei Parteien zerstritten. Immer wieder bekommen sie sich in die Haare. Ob zwischen Ehepaaren oder Nachbarn, in der Verwandtschaft oder in der Politik. Ein ewiges Gehakle. Und dann kommt einer von beiden mit einem ernsten Anliegen: „Hilf mir, ich komm nicht weiter.“ Und was geschieht. Schon wird es gegen einen verkehrt und der andere tobt aus lauter Argwohn: „Das ist doch wieder nur ein fauler Trick. Ein Hinterhalt. Eine Provokation. Merkt und seht, wie er Streit mit mir sucht "– deswegen liebe ich das Alte Testament, weil es so nüchtern beschreibt, wie wir Menschen sind.

6. Elisa lässt bitten

Doch nun mischt sich die Hauptperson ein. Der Gottesmann. Der, der mit solchen Kinkerlitzchen nichts anfangen kann. Elisa, der Prophet. Und es heißt: (Vers 8-9)
Das, was sonst unter der Würde der hohen Herren ist, weil Gleiches nur mit Gleichem verkehrt, das spielt plötzlich keine Rolle mehr. Elisa wohnte nicht wie Könige und trotzdem kamen sie zu ihm. So auch hier. Und Elisa stört es weder, dass Naäman ein Ausländer ist und ein Feind noch dazu. Es stört ihn auch nicht, dass dieser einen ganz anderen Glauben hat. Elisa lässt bitten.

7. Wir wissen es besser

Und nun wird es spannend. Achten sie auf alles, was nun geschieht: (Vers 10-12) Wir wissen nicht, warum Elisa nicht persönlich erscheint. Das ist auch nicht wichtig. Doch Naäman reagiert so, wie wir es erwarten: Der Chef muss persönlich zu mir kommen. Mich hat der Chefarzt persönlich behandelt. Wir kennen das. Unter dem Chef geht gar nichts. Und kaum sind wir im Behandlungszimmer: Herr Doktor, ich weiß schon was ich habe und ich weiß auch, wie sie mich behandeln müssen. Wie heißt es hier: Er selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien. hertreten und den Namen des Herrn anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum erheben.

Einen religiösen Hokuspokus soll er aufführen, wie die Schamanen. Feng Shui vom Feinsten. Hier ein Federchen, da ein Lichtlein. Dort die Aura freigebetet. Was für das Religiöse gilt, gilt auch für das Weltliche – unsere Götter in weiß: Wie? Ich muss nicht unter das Röntgengerät? Kein Kernspin. Kein dreitägiger Check-up in der Klinik? Kein Verband? Keine teuren Medikamente? Ich soll langsamer tun, Gymnastik, mehr Bewegung und weniger Essen. Mit dem Alkohol und dem Rauchen aufpassen. Das kann nicht sein. Das hätte ich zu Hause auch haben können. Was soll das für ein Arzt sein.Und Naäman wandte sich und zog weg im Zorn.

8. Weniger ist mehr


Dass sich der Mensch immer nach dem anderen sehnt. Das Einfache ist anscheinend zu einfach. Groß und kompliziert muss es sein. Doch seine Diener finden die passenden Worte. (Vers 13-14)

9. Gesundheit und Glaube

Ein Wunder? Oder nur die richtige, ärztliche Behandlung? Obwohl, das spielt eigentlich keine Rolle. Naäman ist wieder gesund. Er hat sich dem Therapievorschlag Elisas ausgeliefert, ist siebenmal untergetaucht und ist gesund geworden. Doch bei dem Naäman ist dadurch noch mehr passiert – und darum steht diese Erzählung auch hier in der Bibel. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich hat sich bei ihm etwas verändert. Und so lesen wir weiter: (Vers 15) Naäman ist nicht nur gesund geworden, sondern er hatte bei diesem Gesundwerden ein Gotteserlebnis. Dieser Gott, von dem sich Elisa getragen weiß, dieser Gott, der so stark ist, dass sogar seine Dienerin in der Fremde einem Fremden hilfreichen Rat gibt. Dieser Gott hat mich gesund gemacht. Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel.

Das ist das Zentrum dieser Erzählung. Und ich frage mich, wann sind wir das letzte Mal gesund geworden und haben dabei Gott erkannt. Gott als den Herrn über Leben und Tot. Jedes Penicillin, jeder Rettungshubschrauber, jedes Röntgengerät und jeder Fortschritt in der Mikrochirurgie, der Krebstherapie oder der Rehabilitation – nur Menschenwerk. Danke, Frau Doktor soundso. Danke, Herr Ingenieur. Denen auch Dank – natürlich. Doch darüber hinaus sind es doch nicht die, in dessen Hände unsere Geschicke liegen. Der König Israels wusste noch den feinen Unterschied, wenn er sagt: Bin ich denn Gott, dass ich töten und lebendig machen könnte, dass er zu mir schickt, ich solle den Mann von seinem Aussatz befreien? Tun wir denn das noch?

Kein Wunder, wenn wir um die letzten medizinischen Möglichkeiten kämpfen und dann haltlos vor dem Nichts stehen, wenn es doch keine Rettung mehr gibt. Wen lassen wir da entscheiden über Leben und Tod. Tragen tut doch ein anderer – im Leben und im Sterben. „Hilf du, mein Gott und Herr und lass mich die richtige Hilfe erfahren durch die anderen.“ Müssen wir es uns erst wieder von einem Ausländer sagen lassen, wer dieser Gott ist und was er ist: „Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel.“ Es würde schon reichen, wenn die Gesunden und die wieder gesund Gewordenen unter uns so sprechen könnten. Von den Kranken verlange ich es ja gar nicht. Wobei die oft dankbarer sind als die Gesunden. Wir sagen: Noch einmal Glück gehabt. Oder wenn es zu spät ist, dann erheben wir anklagend die Faust: Wo bist du Gott?

Das junge Mädchen aber spricht in der Fremde zu den Fremden: Ich kennen einen Gott, der hilft und seinen Gesandten, den Propheten Elisa. Und der Fremde Naämann muss uns dann sagen: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel. Es würde schon reichen, wenn wir, wo wir gesund geworden sind oder es uns gut ginge, Gott gelobt hätten und dankbar gewesen wären und ihn verherrlicht hätten, damit wir ihn wieder bitten können, wenn es uns schlecht geht.

Und Elisa verabschiedet Naäman mit den Worten: Zieh hin mit Frieden! (Vers 19) Oh ja, man könnte viel fürs Leben lernen, wenn man denn aus dem Buch des Lebens lernen wollte. Doch so wissen wir oft selbst die besseren Lösungen und geben uns unsere eigenen Antworten und tauchen nicht siebenmal unter – das wäre ja zu einfach - sondern wenden uns lieber ab und ziehen weg im Zorn und wissen dann nicht mehr, dass es keinen Gott gibt, außer den dreieinigen, den wir Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist nennen, den Herrn über Leben und Tod. Aber vielleicht brauchen wir das gar nicht mehr, weil wir an uns selbst und an unserer Welt schon genug haben. Doch wer spricht dann über uns dieses Wort „Zieh hin mit Frieden“?

Pfarrer Martin Adel   (Dreieinigkeitskirche Hof)

Text: 

(1)Naaman, der Feldhauptmann des Königs von Aram, war ein trefflicher Mann vor seinem Herrn und wertgehalten; denn durch ihn gab der HERR den Aramäern Sieg. Und er war ein gewaltiger Mann, jedoch aussätzig.
(2)Aber die Kriegsleute der Aramäer waren ausgezogen und hatten ein junges Mädchen weggeführt aus dem Lande Israel; die war im Dienst der Frau Naamans.
(3)Die sprach zu ihrer Herrin: Ach, dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien.
(4)Da ging Naaman hinein zu seinem Herrn und sagte es ihm an und sprach: So und so hat das Mädchen aus dem Lande Israel geredet.
(5)Der König von Aram sprach: So zieh hin, ich will dem König von Israel einen Brief schreiben. Und er zog hin und nahm mit sich zehn Zentner Silber und sechstausend Goldgulden und zehn Feierkleider
(6)und brachte den Brief dem König von Israel; der lautete: Wenn dieser Brief zu dir kommt, siehe, so wisse, ich habe meinen Knecht Naaman zu dir gesandt, damit du ihn von seinem Aussatz befreist.
(7)Und als der König von Israel den Brief las, zerriss er seine Kleider und sprach: Bin ich denn Gott, dass ich töten und lebendig machen könnte, dass er zu mir schickt, ich solle den Mann von seinem Aussatz befreien? Merkt und seht, wie er Streit mit mir sucht!
(8)Als Elisa, der Mann Gottes, hörte, dass der König von Israel seine Kleider zerrissen hatte, sandte er zu ihm und ließ ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Lass ihn zu mir kommen, damit er innewerde, dass ein Prophet in Israel ist.
(9)So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür am Hause Elisas.
(10)Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden.
(11)Da wurde Naaman zornig und zog weg und sprach: Ich meinte, er selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien.
(12)Sind nicht die Flüsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser in Israel, so dass ich mich in ihnen waschen und rein werden könnte? Und er wandte sich und zog weg im Zorn.
(13)Da machten sich seine Diener an ihn heran, redeten mit ihm und sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes geboten hätte, hättest du es nicht getan? Wie viel mehr, wenn er zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein!
(14)Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er wurde rein.
(15)Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes mit allen seinen Leuten. Und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel; so nimm nun eine Segensgabe von deinem Knecht.
(16)Elisa aber sprach: So wahr der HERR lebt, vor dem ich stehe: ich nehme es nicht. Und er nötigte ihn, dass er es nehme; aber er wollte nicht.
(17)Da sprach Naaman: Wenn nicht, so könnte doch deinem Knecht gegeben werden von dieser Erde eine Last, soviel zwei Maultiere tragen! Denn dein Knecht will nicht mehr andern Göttern opfern und Brandopfer darbringen, sondern allein dem HERRN.
(18)Nur darin wolle der HERR deinem Knecht gnädig sein: wenn mein König in den Tempel Rimmons geht, um dort anzubeten, und er sich auf meinen Arm lehnt und ich auch anbete im Tempel Rimmons, dann möge der HERR deinem Knecht vergeben.
(19)Er sprach zu ihm: Zieh hin mit Frieden!


Archiv
Zurück zur: Homepage Dekanat Hof     Homepage Hospitalkirche